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Die Tafel Dresden

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Geschichte

Die Tafel Deutschland hat ihren Ursprung in Berlin in den Neunziger Jahren. Nachdem die Sozialsenatorin Ingrid Stahmer einen Vortrag, vor der damals in Berlin tätigen „Initiativgruppe Berliner Frauen e.V.“, hielt, stand für die Zuhörerinnen eine Sache fest: Sie wollten aktiv werden und die damals aktuelle Situation der Obdachlosigkeit in der Hauptstadt lindern.

Stellte sich nur die Frage, wie man diese Hilfe gestalten sollte. Eine Aktivistin der Gruppe schlug vor, das US-amerikanische Konzept der „New Yorker City Harvest“ auf Deutschland zu übertragen. Jenes geht auf John Van Hengel zurück, welcher 1963 in der Hauptstadt Arizonas die erste „Food Bank“ gründete. Die Food Bank war im Grunde ein Lagerraum für überschüssige, lagerfähige Lebensmittel, welche an hilfsbedürftige Menschen weitergegeben wurden. 1983 wurde diese Arbeit von der in New York gegründeten City Harvest Organisation aufgenommen.

Alles begann mit einer Kartoffel. Als die, in einer Suppenküche Mitwirkende Helen, eines Tages in einem Restaurant eine Vorspeise aus Kartoffelschalen aß, fragte sie den Kellner, was mit dem Rest der Kartoffeln passiere. Als dieser ihr erklärte, dass man jenes wegschmeißen würde, bat sie ihn, die Reste zur Suppenküche zu bringen, wo die Lebensmittel knapp bemessen waren. Am nächsten Tag wurden ihr tatsächlich sämtliche Kartoffeln des Tages geliefert und konnten somit der Mülltonne entgehen und den Hunger mancher stillen. Aus dieser einmaligen Aktion wurde durch Helen, Jason Kliot und einige weitere Personen die Idee für City Harvest geboren, zur gerechten Umverteilung der überschüssigen Lebensmittel.

Und nun fand die Idee 1993 ihren Weg bis nach Deutschland.

Rasch setzten sich die Aktivistinnen der Initiativgruppe Berliner Frauen e.V. in Bewegung und nahmen den Kontakt zu verschiedenen Obdachloseneinrichtungen, sowie Händler*innen und Lebensmittelproduzent*innen auf. Nachdem auf der einen Seite das Interesse, auf der anderen Seite die Unterstützung zugesagt wurden, gründete sich im Winter 1993 die erste Tafel: Die Berliner Tafel. Durch eine Pressekonferenz im Februar dieses Jahres bekamen auch die Medien Wind von der Organisation und streuten die Idee in Deutschland. Es brauchte nicht lange und schon bildeten sich deutschlandweit Tafeln. Der Durchbruch kam mit der Gründung der Hamburger Tafel im November 1994. Die Presse war massiv vertreten und gab den Impuls an viele Städte weiter, so dass heutzutage rund 950 Tafeln mit 2000 Ausgabestellen in Deutschland vertreten sind.

1995 gründete Sabine Werth, welche während der zwei Jahre bereits bei der Berliner Tafel mitwirkte, einen Verein, welcher als „Dachverband Deutsche Tafelrunde“ die damals 35 existierenden Tafeln koordinieren sollte. Die Verantwortung ging nun aus den Händen der Initiativgruppe Berliner Frauen e.V., in die Hände des frisch aufgestellten Vereins, als dass nun auch Männer in der Organisation der Tafel vertreten waren. Der Dachverband ist bis heute die Servicezentrale der deutschen Tafeln, gilt als Interessenvertretung nach innen und außen, übernimmt die Verantwortung für überregionale Sponsor*innen und versucht die Tafeln durch Austausch und Kommunikation stets zu verbessern. Der „Tafel Deutschland e.V.“ (Namensänderung 2017) hat seinen Sitz in Berlin. Jedes Jahr gibt es eine Versammlung aller Tafeln Deutschlands, in den verschiedensten Städten treffen hierbei Mitglieder*innen zusammen, um sich gemeinsam auszutauschen.

Zur Gründung des Vereins Tafel Dresden kam es am 07ten März 1995.

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Zielstellungen und Kritik

Grundsätzlich ist es das Ziel der Tafel, Lebensmittel, welche überschüssig sind und demnach nicht mehr im deutschen Wirtschaftskreislauf genutzt werden, an hilfsbedürftige Menschen weiterzugeben.

Hinter dieser Zielstellung stehen zum einen die Bewahrung von Lebensmitteln vor dem Wegwurf; des Weiteren die Umverteilung des Nahrungsmittelreichtums an sozial Benachteiligte, sowie deren Gesunderhaltung trotz geringeren Einkommens. Letztlich bietet die Tafel auch eine Plattform zur Teilhabe an der Gesellschaft.

Beim erreichen dieser Ziele, handelt die Tafel stets nach den Werten der Nachhaltigkeit, der Gerechtigkeit und der Loyalität. Demnach ordnet sie sich auch keiner politischen Ausrichtung zu, sondern richtet sich stets nach dem höheren Ziel, möglichst vielen Menschen eine Hilfe zu sein.

Die Tafeln Deutschlands sind eine der größten sozialen Bewegungen der heutigen Zeit und auch Vorbilder für ähnliche Organisationen in weiteren Ländern.

Bei all dem ist nicht zu vergessen, dass die Tafel keine staatliche, sondern eine private Hilfsorganisation ist. Die Tafel Dresden geht die gesamtgesellschaftliche Aufgabe – die Armut in Deutschland zu lindern – an, wohl wissend, dass sie eine große Hilfe und ein Schritt in die richtige Richtung, aber längst nicht die Lösung ist. Ein Ausschnitt aus dem Leitbild der Tafeln Deutschlands beschreibt dieses Problem sehr treffend: „Die Verhinderung von Armut ist vorrangig eine staatliche Aufgabe. Tafel-Arbeit entbindet den Staat nicht von seiner Daseinsfürsorgepflicht. Tafeln arbeiten nicht im öffentlichen Auftrag.“ Bestimmte Teilgebiete erhalten eine finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern, diese ist aber sehr gering. Die Tafel ist demnach stark auf Spenden und teils kommunale Hilfe angewiesen. Kosten fallen durch Ladenmiete, Transportautos, Kraftstoff und nicht zuletzt durch die Erlaubnis zur Abholung von Lebensmitteln an. Es stellt sich heraus, dass die Tafel selbst auf Hilfe angewiesen ist, um anderen helfen zu können.

Dennoch zeigt sich allein an Hand von Zahlen, dass das, was die Tafel leistet noch nicht ausreichend ist. 265.000 Tonnen Lebensmittel rettet die Tafel pro Jahr, 18 Millionen Tonnen Lebensmittel werden dennoch pro Jahr weggeschmissen.

Versorgungsleistungen und Mitwirkende

Die Tafel Dresden verteilt jährlich rund 2.500 t Lebensmittel, womit sie wöchentlich circa 5.000 Menschen über Tafelläden und Ausgabestellen versorgen kann. Neben den Läden bietet die Tafel Dresden auch Direktbelieferungen für alte und kranke Menschen, sowie Menschen mit einer Behinderung an. Des Weiteren kann man auch Suppenküchen oder soziale Einrichtungen aufsuchen.

Die Arbeit bei der Tafel Dresden wird von rund 200 ehrenamtlichen und fünf geringfügig bezahlten Mitarbeiter*innen, 10 bis 20 Sozialstunden Leistenden, 15 Mitarbeiter*innen mit Förderung nach §16i oder §16e, vier Mitarbeiter*innen mit Arbeitsgelegenheiten, Praktikant*innen und 30 Bundesfreiwilligen geleistet.